
Süßungsalternativen zu Zucker - es gibt sie
Entdeckt wurde Aspartam von James M. Schattner, der im Jahr 1965 auf diesen Stoff stieß, als er auf der Suche nach einem Mittel gegen Geschwüre war. Ein Zufallsfund, der seinem Arbeitgeber, der G.D. Searle & Company ein Patent auf diesen Stoff einbrachte. 1986 wurde die G.D. Searle & Company von Monsanto übernommen und hielt bis zum Auslaufen des Patents im Jahr 1992 das Monopol auf Aspartam an.
Aspartame sind farblose, süß schmeckende Kristalle, die aus den drei Grundsubstanzen, den beiden Aminosäuren Phenylalanin und Asparaginsäure sowie dem Alkohol Methanol bestehen. Im Körper wird Aspartam wieder in seine drei Ursprungsstoffe zersetzt, die jeder für sich nicht gerade eine gesundheitsfördernde Wirkung haben.
„Die Dosis macht das Gift“, ist eine viel zitierte Weisheit. Hans-Jürgen Altmann, Experte des Bundesinstituts für Risikobewertung sagte in einem Stern-Bericht:
“Es gibt keinen Süßstoff, der völlig unumstritten ist. Daher sollte man generell keine großen Mengen schlucken, öfter mal den Wirkstoff wechseln oder auf Süßstoffkombinationen zurückgreifen.”
Im Stern-Artikel von 2005 geht es um eine italienische Studie des Krebsforschungszentrum Bologna, die Aspartam in einer Langzeituntersuchung an Ratten durchgeführt hatten. Da die Studie noch einige Fragen aufwirft, sollte man sich zumindest zur Wahrung der vermeintlichen Objektivität im Bezug auf Aspartam den entsprechenden Artikel durchlesen.
Um auf das Zitat von Hans-Jürgen Altmann zurück zu kommen, dass es wohl keinen Süßstoff gibt, der völlig umstritten ist, muss erwähnt werden, dass die Aminosäure Phenylalalin mit Hilfe von gentechnisch veränderten Mikroorganismen hergestellt werden kann. Dieses Verfahren wird in den USA seit mehreren Jahren kommerziell genutzt und ist nicht kennzeichnungspflichtig, solange die jeweiligen Zusatzstoffe gereinigt werden und selbst keine Mikroorganismen mehr enthalten.
Man gibt sich viel Mühe, einen Süßstoff künstlich herzustellen, der als gesund, natürlich und für den Menschen völlig unbedenklich gilt.
Als Vorteil von Aspartam wird angegeben, der Stoff seien weniger kalorienhaltig als handelsüblicher Zucker und damit weniger energiereich. Tatsächlich hat Aspartam eine etwa 180 Mal größere Süßungskraft als Zucker, weshalb er geringer dosiert werden muss und damit Kalorien einspart.
Dass Aspartam ursprünglich als Mastmittel eingesetzt wurde, da es das Sättigungszentrum des Gehirns außer Kraft setzt und die Fettablagerung fördert, ist inzwischen weithin bekannt. Außerdem wird Aspartam in der Netzhaut des Auges zu Formaldehyd umgewandelt, was nicht gerade gesundheitsfördernd ist. Besonders eine ständige Aufnahme von Aspartam wird als risikoreich eingestuft.
Trotzdem kam die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit Anfang Juni 2005 zu dem Ergebnis, dass Aspartam sicher sei. Sie sah auf Grund der vorgelegten Daten aus dem Tiermodell keinen Anlass dazu, ihre Position bezüglich der Verwendung von Aspartam zu verändern.
Neben der Meinung, Tierversuche dienen dem Schutz des Verbrauchers, sollen in Wahrheit Verbrauchern nur von Stoffen „geschützt“ werden, die sie weder benötigen noch haben möchten, da sie nicht der Gesundheit dienen. Anhand von Tierversuchen wird lediglich die Dosis festgelegt, die dem Verbraucher gerade noch zuzumuten ist. Vielmehr schützen solchen Versuche den Hersteller vor saftigen Haftungsklagen, denn für Spätfolgen, d.h. bei Langzeitschäden haften Hersteller nicht! Die Tierversuche verschaffen den Produzenten lediglich eine Alibifunktion und einen Regenschirm vor hagelnden Verbraucherprotesten und finanziellen Schäden. Denn Aspartam ist ein großes Geschäft. Jahr für Jahr werden etwa 16.000 Tonnen Aspartam für den Weltverbrauch hergestellt.
Für alle, denen jetzt der Appetit auf künstliche Süßungsmittel vergangen ist, gibt es eine natürliche Alternative: Stevia rebaudiana, eine seit Jahrhunderten bekannte Pflanzenart, die vor allem in Asien als Zuckerersatz verwendet wird.
In der EU ist die Pflanze als Lebensmittel verboten, da laut einer Stellungnahme des Bundesinstituts für Risikobewertung vom 02. April 2003 der bereits gestellte Zulassungsantrag abgelehnt wurde, weil die vorgelegten Daten nicht ausreichten, um die gesundheitliche Unbedenklichkeit der Produkte zu belegen.
Hier heißt es:
„Die eingehende Bewertung von Produkten aus der Pflanze Stevia rebaudiana war erforderlich, weil diese vor dem Inkrafttreten der Verordnung (EG) Nr. 258/97 am 15. Mai 1997 in der Europäischen Gemeinschaft noch nicht in nennenswertem Umfang als Lebensmittel auf dem Markt waren. Sie fallen daher als neuartiges Lebensmittel in den Anwendungsbereich der Verordnung.“
Dass die Guarani-Indianer die Stevia rebaudiana schon seit Jahrhunderten benutzen, ihren Tee zu süßen, wird kaum beachtet. In Asien wird Stevia sogar zum Kuchen backen verwendet. Weitere positive Eigenschaften der Stevia sollen sein:
- die Pflanze greift die Zähne kaum an
- Stevia soll eine Blutdruck senkende Wirkung haben
- die Pflanze hat eine vielfache Süßkraft von Zucker
Im Vergleich zum zugelassenen künstlichen Aspartam bietet das Süßkraut eine ökologische, weitaus gesündere Alternative. Außerdem kann Stevia auch hier zu Lande angebaut werden. Doch wieder einmal steht die Aspartem herstellende Industrie im Verdacht, sich durch das Stevia-Verbot große wirtschaftliche Interessen zu sichern.
Während sich das weitaus umstrittenere Aspartam in einer fast undurchschaubaren Anzahl von Lebensmitteln durchgesetzt hat, wird es nicht einmal für nötig befunden, eine Alternative auf eventuelle Gefahren hin zu untersuchen. Es scheint fast so, als hätte die Lebensmittelindustrie Angst vor den Ergebnissen!
Auf der Wikipedia-Diskussionssseite zum Artikel Aspartam ist unter dem Punkt „Kritisches bezüglich Aspartam“ zu lesen: „Warum, wenn zu rüffeln erlaubt, ist zum Thema Aspartam eine Totalzensur ausgebrochen? Oder wie ist das Dauer – Revert zu bewerten? Das Aspartamurteil [NutraSweet AG gegen Dr. H. Kruse] wird hier auf WIKI wegzensiert??“
Es lohnt sich auf jeden Fall, sich die Wiki-Diskussionen durchzulesen!
Da in der EU Stevia kein zugelassenes Nahrungsmittel ist, wird man es als solches nicht kaufen können. Die Pflanze an sich ist nicht verboten und kann wohl so ziemlich in jeder Gärtnerei erworben werden. Ob man Stevia selbst anpflanzt, um den eigenen Tee damit zu süßen, kann wahrscheinlich nur schwer kontrolliert werden. Ob es verboten ist, selbst angebaute Stevia zu sich zu nehmen, weiß ich nicht. Als Lebensmittel darf Stevia jedenfalls nicht in Umlauf gebracht werden.
Obwohl Aspartam in immer mehr Lebensmitteln enthalten ist und Stevia zumindest in Privathaushalten auf dem Vormarsch ist, ist wohl der handelsübliche Haushaltszucker das meist verwendete Süßungsmittel.
Die Raffination des Zuckers gleicht einer völligen Entwertung. Während einerseits die „Veredelung und Reinigung“ dafür sorgt, dass wir unseren gewünschten kristallinen Haushaltszucker erhalten, den wir zum Süßen und Kuchen backen so gerne verwenden, haben wir die hochwertigen Süßungsmittel wie Honig und Melasse so gut wie aus dem Alltag verbannt. Honig gibt es vielleicht aufs Sonntagsbrötchen, Melasse kennen nur noch die wenigsten Menschen.
Somit muten wir unserem Organismus einen geballten Ansturm leerer Kohlenhydrate zu, der nur noch mit verstärkter Vitamin B-Zufuhr zu bewältigen ist.
Man kann den weißen Raffinadezucker als einen isolierten Stoff bezeichnen, der dem Körper lebensnotwendige Substanzen für die organische Umwandlung entzieht. Ähnlich wie bei der Präparierung des Mehls werden auch dem Zuckerrohr oder dem Rübenzucker Substanzen entzogen, die für die Umwandlung im Körper so dringend benötigt werden.
Wer sich zutraut, sich in Zukunft an den Geschmack anderer Zuckerarten zu gewöhnen, dem wird das folgende PDF eine Übersicht über die Alternativen des weißen Raffinadezuckers vielleicht hilfreich erscheinen.
Alternativen zu Zucker Download als PDF
Auch in Sachen Zucker hat die Natur einiges zu bieten, was wir uns durch die chemischen Süßungsmittel nicht verderben lassen sollten!
Juli 11th, 2009 at 21:35
Also ich kann dem ganzen nur zustimmen. Ich finde das Stevia eine echte Bereicherung für uns Verbraucher wäre. Im Gegensatz zu seinen syntetische/künstliche Süßstoffe Pedanten wie Aspartam, Saccharin und Cyclamat, ist Stevia Natur pur.
1984 erbrachte eine von Monsanto, der ganz nebenbei der Erzeuger des synthetischen Süßstoffes Aspartam ist, in Auftrag gegebene wissenschaftliche Untersuchung erhebliche Zweifel an der gesundheitlichen Unbedenklichkeit von Stevia.
Lächerlich! Dies zeigt doch nur wie gut hier die Lobby funktioniert hat und das man mit viel Geld auch skrupelose Wissenschaftler kaufen kann.
Das gleiche gilt im übrigen auch wenn es um das Thema Hanf (Fasern) zur Papierherstellung geht. Hier ist der globale Chemie Konzern Du Pont verantwortlich, dass Hanf als ökologisch wertvoller Rohstoff sich aus der Geschichte verabschieden mußte. Das schlimme daran: Das 1937 patentierte Verfahren zur Du Pont-Sulfat/Sulfit-Papierherstellung ist teurer, umweltbelastender und von schlechterer Qualität als das Hanf-Papier-Verfahren. Das endgültige Resultat dieser kapitalistische Machenschaften war, dass ab 1937 Hanf in den USA und ab 1945 auch in Europa aus unserer Kultur verbannt wurde. Diesem Konzern haben wir im übrigen auch das Verfahren zur Herstellung von Plastik aus Öl zu verdanken. (Dieses Patente sicherte Du Pont für die nächsten 50 Jahre 80% des Gesamtumsatzes.)
Auch dieses Beispiel zeigt das Gewinn, Geld und Macht vor Ökologie und Nutzen der Menschen stehen und der Lobbyismus einwandfrei und mächtig funktioniert. Man kann sich nur schwer vortsellen wieviel Macht wirklich hinter diesen globalen super Konzernen steht die langsam aber sicher anfangen zu bröckeln und zu stinken. Einfach nur unglaublich was wir uns so als wirtschaftlichen Fortschritt alles andrehen lassen.
Die goldene Frage lautet: Wie lange lassen wir uns das noch gefallen? Sie betteln doch förmlich nach Revolution. ;-)
Juli 11th, 2009 at 21:53
Vielen Dank für den sehr ausführlichen Kommentar! Ich kann meinem Vorschreiber nur zustimmen: Wann endlich geht ein Ruck durch unsere Gesellschaft? Wir können den Großindustrien durchaus Paroli bieten, indem wir uns mehr für die Alternativen zu dem Dreck interessieren.
Irgendwo habe ich gelesen, dass „Monsanto so lange etwas gegen Stevia haben wird, bis es nicht das Patent auf Stevia besitzt“. Wollte das irgendwo im Artikel einbauen, habe aber die Quelle verloren. Schön, dass du die Monsanto-Kritik nochmal erwähnt hast! Monsanto ist mir sowieso ein Dorn im Auge.
Und die Hanf-Sache ist demnächst auch mal einen Bericht wert!
Liebe Grüße an den Menschen mit der netten eMail-Adresse. ;-)
Juli 12th, 2009 at 23:18
Alles zum politischen Aspekt ist bereits bestens erläutert worden – doch letztendlich hat der Verbraucher das letzte Wort.
Ich lebe in Paraguay und vertreibe Steviaprodukte in bester, mehrfach ausgezeichneter Qualität an den Endverbraucher – weltweit. Stevia wird hier seit vielen Jahrhunderten von der indigenen Bevölkerung verwendet – nicht nur zum Süßen sondern auch als Heilkraut.
Stevia
• ist plaquehemmend und beugt somit Karies vor,
• enthält NULL Kalorien,
• wirkt regulierend auf den Blutzuckerspiegel,
• ist verdaungsfördernd,
• wirkt antibakteriell,
• ist nachweislich frei von unerwünschten Nebenwirkungen.
Und vielleicht abschließend noch ein Hinweis zum Phänomen, weshalb die Leute in Deutschland so sehr auf STEVIOSID, das weiße Pulver “abfahren”. Es ist nämlich nicht das Non-plus-ultra!!
Bei der industriellen Verarbeitung der Steviapflanze wird durch einen sehr aufwändigen Ex-traktionsprozess ein reines, weißes Pulver – das so genannte Steviosid gewonnen. Die Süß-kraft von Steviosid liegt um 250-300-mal höher als industrieller Zucker und wird zur Weiter-verarbeitung in der Kosmetik oder Tiermedizin oder auch zur Herstellung von Steviaproduk-ten, wie Pulver und Tropfen verwendet.
Doch lassen Sie sich nicht täuschen, denn mehr bedeutet nicht gleich besser!
Aufgrund der extrem hohen Konzentration ist reines Steviosid nicht zum süßen geeignet, da es sich äußerst schlecht dosieren lässt und dadurch schnell einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt. Darüber hinaus besitzt Steviosid nicht mehr die heilenden Wirkungen der getrockneten Steviablätter.
Weiterhin viel Erfolg mit dem informativen Blog!
Herzlichst
Petra
Juli 12th, 2009 at 23:24
Das ist mal Information von der Front und keine laue Theorie. Die Dame kommt aus der Praxis!